Shagya

Klassische Reitkunst: Shagya-Araber Brand © 2009 NESSA Equestrian Design

Das Pferd für alle Fälle

 

 

Shagya-Araber für die Klassische Reitkunst Unsere ´Kaiserschimmel` für die Klassische Reitkunst - und das meiste andere: Shagya-Araber. © 2009 NESSA Equestrian Design

Der Reinzucht Shagya-Araber ist heutzutage mit nur ca. 2000-3000 registrierte Individuen weltweit, eine nicht nur seltene, sondern auch relativ unbekannte Rasse. Dennoch blickt sie auf eine lange und stolze Tradition als Elitepferd der leichten Kavallerie, und als Galapferd der Palastgarde am habsburgischen Kaiserhof zurück.

 

Der Shagya ist "ein Jeep verkleidet als ein Lamborghini" genannt worden - eine einzigartige Kombination von Gebrauchseigenschaften im eleganten ´Design`. Eine Mischung von Qualitäten, welche man auf diesem Niveau sonst gerne nur bei ausgeprägten Spezialistrassen findet: Ausgesprochene Robustheit und Genügsamkeit bei höchstem Adel, leistungswilliges Temperament bei Vernunft und Regulierbarkeit, dressurgeeignetes Gangwerk und Springveranlagung, Schnelligkeit und Ausdauer, Versammlungsfähigkeit und Geländegängigkeit... Shagyas haben in jeder Reitsportdisziplin, von Dressur, Springen, Military bis zum Western- und Distanzreiten, sowie im Fahrsport, eigens dafür gezüchtete Spezialisten bis in die höchsten Klassen geschlagen - eine Leistung, die von keiner anderen Rasse vorgewiesen werden kann.

 

Der Shagya-Hengst "BAJAR" hatte so überragende Springanlagen, daß er selbst von deutschen Warmblutzüchtern eingesetzt wurde. Das gewinnreichste deutsche Militarypferd 1996 war "WHITE GIRL", eine "BAJAR"-Tochter. "AMOR" wurde nach Piber zu den Lipizzanern geholt. Der Wallach "HUNGARES" wurde 2006 Weltmeister im Distanzreiten, gegen die besten Vollblutaraber der Welt. Wenn man in Betracht zieht, wie klein die Rasse ist, ist es beeindruckend, wie oft der einzige Shagya-Hengst in einem Warmblutlot die HLP gewinnt (z. B. "KOYANO") - oder wie viele internationale Top-Pferde im Sport Shagya-Vorfahren im Pedigree haben. Unter den prominentesten Beispielen sind Weltstars wie "MILTON" und "RATINA Z" im Springen und "REMBRANDT" in der Dressur, und einflußreiche Zuchthengste wie "RAMZES AA" bei den Holsteinern oder "GOTTHARD" bei den Hannoveranern.

 

Für Klassische Reitkunst - Shagya-Araber Shagya-Araber: Aristokratische Tänzer, , die auch mal ordentlich Speed geben können... © 2009 NESSA Equestrian Design

 

Weniger wettbewerbsinteressierte Reiter sind oft begeistert von der Gutmütigkeit und Gutartigkeit ihrer Shagyas, welche bei allem Leistungswillen geduldig auch kleine Kinder spazierentragen, im Festumzug gehen, oder dem therapeutischen Reiten dienen.

 

Dieses ´Allroundtalent auf höchster Ebene` ist sicher den rücksichtslosen Anforderungen der Kavallerie - für schwierige oder anfällige Pferde hatte man keine Zeit - und der überaus strengen Selektion der hochqualifizierten Gestütsleiter zu danken - zeitweise wurden bis zu 80 % eines Jahrgangs ausgemustert, und diese Pferde waren es, die legendär für ihre Härte und Leistungsfähigkeit im Felde wurden.

 

Im Hinblick auf die Anforderungen der Klassischen Reitkunst, ist der Shagya besonders interessant auch dadurch, daß speziell der etwas kräftigere, hochaufgesetzte Typ, oftmals eine ausgeprägte Dressurveranlagung hat, welche bis zur Hohen Schule gefördert worden ist. Das macht die Rasse heutzutage hochaktuell für jene Freunde der Klassischen Reitkunst, die ein ´ganz besonderes` Pferd suchen, das nicht nur geprägt ist vom ´klassischen Zeitalter`, mit Glanz und Gloria in seiner langen und stolzen Geschichte - sondern das auch größere Vielseitigkeit bieten kann, als ein reines ´Barockpferd`. Das Pferd für alle Fälle...

 

"Shagya-Araber" heißt die Rasse erst seit 1978. Vorher sagte man "Araberrasse" - aus historischen Gründen, da die Rasse zu ihrer Zeit mit Hilfe ausgesuchter Originalaraber aufgebaut worden war. Aber man lasse sich vom Namen nicht in die Irre führen: Ein Shagya ist genauso wenig einfach ein Araber, wie ein Lipizzaner ein Andalusier ist oder ein Andalusier ein Berber... Der ´Araber` im Namen scheint dem ´Marketing` der Rasse in neuerer Zeit nicht unbedingt zuträglich gewesen zu sein - möglicherweise durch Assoziationen zu oft wenig reitpointierten ´Schauarabern`? Oft trifft man auch auf die falsche Vorstellung, daß es sich um einen ´minderwertigen` Araber handelt, dessen Abstammung nicht ´rein` genug ist, als daß er ´Vollblut` heißen könnte.

 

Nur, der Shagya soll und sollte niemals ein reiner Araber sein - den gab es ja schon; und während man dessen Härte, Ausdauer und Intelligenz in der Kavallerie nicht missen wollte, wünschte man sich das Ganze kombiniert mit größerem Rahmen, mehr Kaliber, besserem Gangwerk und Springanlage, sowie vernünftigerem Temperament. Der Shagya muß also verstanden werden nicht als ein ´minderwertiger Araber`, sondern als die ´Antwort` auf die Schwächen des Originalarabers.

 

 

Shagya-Araber gezüchtet für den Einsatz in der Klassischen Reitkunst Shagya-Araber - geländegängige, fidele Alleskönner mit spezieller Eignung für die Klassische Reitkunst. © 2009 NESSA Equestrian Design

Der Shagya ist eine alte, eigenständige, durchgezüchtete Rasse geprägt vom arabischen Blut - genauso, wie zu ihrer Zeit der Lipizzaner vom Andalusier geprägt wurde oder der Andalusier vom Berber. Ein Araber ist ein Araber und ein Shagya ist ein Shagya. Schließlich ist die Rasse ja nur unwesentlich jünger als der Englische Vollblüter. Die ältesten registrierten Zuchttiere findet man bereits 1775 dokumentiert. Der Selektionsprozeß, welcher den Shagya hervorbrachte, war nicht nur einer der strengsten, sondern auch einer der durchdachtesten und am besten belegten in der Geschichte der Pferdezucht.

 

Das Zuchtziel hat sich seit der F1-Generation nicht wesentlich gewandelt: Ein Pferd mit allen Qualitäten des Vollblutarabers, welches diesen in Rahmen, Größe, Kaliber und Reiteignung beträchtlich übertrifft. Der Shagya soll das ideale Pferd sein auch für größere Reiter/ Fahrer, welche ein besonders elegantes und ausdauerndes Reitpferd mit natürlichem Vorwärtsdrang und Springtalent, oder ein Fahrpferd mit besonderer Ausstrahlung suchen.

 

Man wünscht sich die Pferde ausgesprochen schön und harmonisch, mit einem kleinen, ausdrucksvollen Kopf, großen, dunklen Augen und breiter Stirn, bei konkavem oder geradem Profil, breiten und freien Ganaschen, und großen, elastischen Nüstern. Sie sollen über einen wohlgeformten, mittellangen, gewölbten Reitpferdehals mit leichtem Genick und großer Ganaschenfreihet, eine große, schräge Schulter, einen deutlichen Widerrist, gute Sattellage, einen mittellangen, gut bemuskelten Rücken, tiefe Brust, und eine lange, leicht schräge Kruppe verfügen, bei elegant getragenem Schweif. Die natürliche Rittigkeit ist das wichtigste Kriterium. Der Adel soll unterstrichen werden durch eine trockene, feine Textur, und seidiges, feines Haar. Besonderer Wert wird auf korrekte, elastische, kadenzierte, aber gleichzeitig raumgreifende Bewegungen gelegt. In Temperament und Exterieur soll der Shagya allen Ansprüchen an ein leistungsfähiges Familien-, Freizeit-, Jagd-, Turnier-, Distanz- und Fahrpferd erfüllen. Der gute Charakter ist ein zentrales Kriterium, das Pferd soll ausgesprochen intelligent, wach, leistungswillig, freundlich und unkompliziert sein.

 

Die Widerristhöhe soll sich zwischen ca. 1, 50 - 1, 60 m bewegen; Hauptstammbuchstuten müssen 3-jährig mindestens 1, 50 m hoch sein, Hengste im Hengstbuch I mindestens 1, 54 m (VZAP, Deutschland). Beim Röhrbeinumfang verlangt man ein Mindestmaß von 18 cm. Ungefähr 80 % der Pferde sind Schimmel, der Rest Füchse, Braune und Rappen, Stichelhaare kommen vor.

 

Das Zuchtbuch ist geschlossen, d. h., es wird Reinzucht betrieben - nur die Nachkommen registrierter Shagyas, welche sowohl auf väterlicher als auch auf mütterlicher Seite auf Pferde der Araberzucht Österreich-Ungarns zurückzuführen sind, und in Ausnahmefällen auf speziell ausgewählte Vollblutaraber-Hengste, und welche den Ansprüchen des Zuchtverbandes an Typ und Qualität genügen, können als Shagyas eingetragen werden.

 

Vollblutaraber-Hengste können eingesetzt werden, um die genetische Basis der kleinen Population zu erweitern. Solche Hengste müssen von außergewöhnlicher Qualität sein, speziell für die Shagyas zugelassen werden, und die HLP ablegen, genauso wie Shagya- und Warmbluthengste. Denn die Shagya-Zucht ist definiert als eine Zucht von Leistungspferden. Der Anteil von Vollblutarabern im Pedigree darf nicht größer sein als 9 von 16 Ahnen in der 4. Generation (seit 1990), wenn das Pferd als Reinzucht Shagya anerkannt werden soll.

In jüngster Zeit ist diese Bestimmung wieder etwas gelockert worden.

 

 

Für die Klassische Reitkunst ideal: Shagya-Araber Für die Klassische Reitkunst geboren: Intelligent, aufgeweckt, menschenfreundlich - Shagya-Fohlen. © 2009 NESSA Equestrian Design

 

Die Geschichte der Rasse begann damit, daß die Habsburger nach der Niederlage des Kaiserreiches im Krieg um die Österreichische Thronfolge, ein starkes Interesse daran äußerten, den Nachschub qualitätsvoller Kavallerieremonten in ausreichender Anzahl zu sichern. Der rechte Erfolg blieb aus, bis Kaiser Josef II. dem Vorschlag des erfahrenen Hippologen József Csekonics Gehör schenkte, ein staatliches Gestüt mit erstklassigem Zuchtmaterial zu gründen, um überlegene Produkte hervorzubringen. 1784 entschied der Kaiser, den Plan in die Tat umzusetzen, und das Gestüt Mezöhegyes (Ungarn) wurde gegründet.

 

Im Gegensatz zu vielen Züchtern der Zeit, die ein bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium an Pferden kreuzten, oft ohne einen klar formulierten Plan, und die am meisten Gewicht auf den Einkauf guter Hengste legten, hatte Csekonics verstanden, daß die durchgezüchtete Stutengrundlage das Rückgrat jeder Pferdezucht ist. Und wenn man erst einmal den Pferdetyp herausgezüchtet hatte, den man haben wollte, mußte man diesen getreulich weiterentwickeln, und unter keinen Umständen in irgendwelche Kreuzungsexperimente zurückfallen. Die wertvollsten Zuchtstuten waren nach Csekonics´ Meinung jene, die mit Erfolg in der Kavallerie gedient hatten, da deren Leistungsanlagen und Härte bekannt waren. Diese ersten Stuten waren meist von dem leichten, lokalen Schlag, der schon seit langer Zeit ein stark orientalisches Gepräge hatte, nicht zuletzt durch den Kontakt mit den Pferden der Türken. Auf ihrer Grundlage wurde in kurzer Zeit eine sehr qualitätsvolle Stutengrundlage geschaffen.

 

Das Gestüt in Mezöhegyes brauchte bald eine ´Filiale`, und diese wurde 1789 in Bábolna gegründet. Aus der ersten Zeit weiß man, daß 19 originale spanische Hengste in Spanien angekauft wurden, plus ein Berberhengst. Während der Napoleonischen Kriege variierte der Bestand stark, bis die Behörden 1816 entschieden, daß fortan die Stuten in Bábolna nur noch von orientalischen Hengsten gedeckt werden sollten. Bábolna erschien nämlich als geeignet für ein solches Zuchtprogramm, da es auf armem, sandigen Boden lag, wo nicht die Gefahr bestand, daß die Pferde zu groß und unedel wurden, so wie in Mezöhegyes. Die ersten arabischen und türkischen Hengste kamen bereits 1816 in Bábolna an, Kriegsbeute aus einem eroberten französischen Hengstdepot.

 

Es folgten weitere Experimente mit spanischen und Vollblut-Hengsten, aber die Nachzucht wurde bald wieder zu uneinheitlich, und man ging zurück zum Entschluß von 1816, nur ausgesuchte Originalaraber-Hengste und deren Söhne zu verwenden. 1836 zog die erste staatliche Ankaufsexpedition nach Syrien, weitere folgten 1843, 1852, 1856/ 57, 1876, 1885, 1897, 1901/ 02, og 1930.

 

Die Auswahlkriterien für den Ankauf waren überaus streng; die 1930er Expedition, welche den wichtigen "Kuhaylan Zaid" mitbrachte, war 6 Monate und ca. 12 000 km durch Arabien gezogen, und soll mehr als 10 000 Pferde gemustert haben.

 

Mit der 1836er Expedition kamen 5 Stuten sowie 9 Hengste kamen nach Bábolna, unter ihnen der Namensgeber "Shagya". 60 Jahre später schrieb Graf C. G. Wrangel, daß die Härte und Leistungsfähigkeit von "Shagyas" Nachzucht in der österreich-ungarischen Kavallerie bereits sprichwörtlich geworden war.

 

Shagya-Araber in der Klassischen Reitkunst Shagya-Araber Stute SHERRY ShA unter Pferdewirtschaftsmeisterin Natascha Howanietz. © 2010 NESSA Equestrian Design
Klassische Reitkunst - Kavalleriepferd Kavalleriepferd im deutlich Orientalischen Typ. Schilling von Kannstatt, Karl Leopold Freiherr. Reitkunst und Dressur nach dem Naturgesetze [...] Stuttgart: Verlag von Ebner und Seubert, 1866. 138. (Archiv NESSA Equestrian Design.) Foto: © 2010 NESSA

 

1869 wurde Bábolna, zusammen mit den anderen Staatsgestüten, der ungarischen Regierung übergeben. Unter einer zentralisierten Bürokratie mit kenntnisreichen Hippologen, blühte die Zucht auf. Eine strenge Selektion fand statt, man favorisierte "Shagyas" qualitätsvolle Söhne als Beschäler, da sie arabischen Adel zeigten, aber stärker waren als die Originalaraber. Die Pferde gewannen an Stärke und Tiefe. Man führte 12-monatige Leistungstests unter dem Reiter und vor dem Wagen für zukünftige Zuchtstuten ein.

 

1878 konnte Bábolna seinen ersten internationalen Erfolg feiern: Unter den 20 Pferden, welche die ungarischen Staatsgestüte zur Weltausstellung in Paris geschickt hatten, erweckten die 4 bábolnaer Vertreter der "Araberrasse" allgemeine Bewunderung. Der französische Präsident stiftete auf Betreiben der Jury eine extra Goldmedaille für die ungarischen Gestüte. Auch wenn der generelle Trend weiterhin zum starken Halbblut ging, blieb Bábolna dem arabischen Blut treu, nicht zuletzt da man ein sehr gefragtes Exportprodukt lieferte. Das leichte, rasche Fahrpferd ("Jucker") war weithin berühmt, das edle, agile Husarenpferd legendär und gefragt in der ganzen Welt, selbst in Pferdezuchtnationen wie Deutschland, England und Frankreich. Auch gab das arabische Blut größere Robustheit und Genügsamkeit, etwas, das für die Bauern wichtig war, die staatliche Hengste für ihre Stuten benutzten.

 

Auf der Pariser Weltausstellung 1900, waren die Araber aus Bábolna die erfolgreichsten unter 1717 Pferden. Sowohl eine Stute als auch ein Hengst der "Araberrasse" bewegte die Jury, ein extra Grand-Championat zu stiften. Die hohe Nachfrage nach dem "Idealpferd" blieb konstant in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, und in den 30er Jahren errangen die feurigen Fünfspänner weißer Shagya-Stuten, mit denen Tibor von Pettkó-Szandtner regelmäßig das Aachener Turnier gewann, internationale Berühmtheit.

 

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mußte Bábolna evakuiert werden, um das Zuchtmaterial vor der Sowjetarmee zu retten. Nicht alle Pferde konnten reisen, und nur die, welche nach Bergstetten in Bayern gebracht wurden, überlebten und bildeten die Grundlage für den Wiederaufbau. Etwa 200 Zuchttiere und die Zuchtbücher waren gerettet, aber nun steuerten sozialistische Bürokraten das Gestüt, welche die Araberpferde als ´ökonomisch wertlos` ansahen. Wertvolles Zuchtmaterial wurde für Devisen in den Westen verkauft. Von 1962 an wurde Bábolna auf Araber spezialisiert, und bekam wieder Repräsentationsaufgaben, und man nahm Kontakt mit dem ägyptischen Staatsgestüt El Zahraa auf und erhielt 1968 den Hengst "Ibn Galal" und vier gute Stuten.

 

Als 1972 die WAHO gegründet wurde, war Bábolna eins der Mitglieder; aber die Organisation erkannte nur reine Vollblutaraber an. Glücklicherweise hatten viele gute "Araberrasse"-Pferde zu engagierten Privatzüchtern im Westen gefunden, und diese kämpften für die Anerkennung ihrer Rasse. 1978 erkannte die WAHO den "Pure Bred Shagya Arab" als eigenständige Rasse an. Man verstand bald, welchen Beitrag die einzigartigen Reiteigenschaften der Shagyas zu den entstehenden Sportpferdezuchten leisten konnten.

 

1990, nach dem Zusammenbruch des Sozialismus, wurde die 1985 gestiftete ISG (Pure Bred Shagya-Arab Society International) nach Bábolna eingeladen, und das Gestüt wurde Mitglied. Mehrere deutsche und schweizerische Züchter verpachteten oder verkauften qualitätsvolle Pferde an das Gestüt, um den Wiederaufbau zu fördern - wie z. B. "Amor" von "Czardas", "Balaton" von "Gazal VII", "Shagya XXXIX-11" von "Shagya XXXIX-1", und "Saphir I" von "Shagya XXXIX-11". So kam das beste Blut der Rasse zum Schluß zurück an seinen Ursprungsort.

 

Es ist zu hoffen, daß diese einzigartige und so wertvolle Rasse auch weiterhin erhalten bleibt - um ihrer selbst willen, aber auch wegen ihres einzigartigen Potentials als Veredler vieler anderer Rassen. Der Shagya hat leider, wie oben schon angedeutet, ein ´Imageproblem`. Teilweise also sicher durch die für das breite Publikum unklare Abgrenzung zum (heute oft negativ markierten) Araber; zum anderen sicher dadurch, daß sein Stammgestüt lange Zeit hinter dem "eisernen Vorhang" lang, und es keine andere Institution gab, welche die Rasse sichtbar gemacht hat. Die Palastgarde der Habsburger, die Husarenoffiziere, welche einst die ´Botschafter` der Shagyas waren, wie die Spanische Hofreitschule für die Lipizzaner, existieren im Gegensatz zur Hofreitschule nicht mehr.

 

Die Shagyas habe wie die Lipizzaner eine lange und glanzvolle Geschichte - nur hat von dieser selten jemand gehört. Auch die an den Zuchtlinien orientierte Namensgebung, und die Gestüts- und Linienbrände, welche so sehr zum Flair des ´Besonderen` beim Lipizzaner beitragen, hatten die Shagyas ebenfalls; aber da seit dem Zweiten Weltkrieg der Schwerpunkt ihrer Zucht zunehmend in privaten Händen lag, tragen die meisten Shagyas dieses werbewirksame Merkmal heute nicht mehr. Aufgrund ihres schwachen "symbolischen Kapitals", sind die Shagyas auch wenig in der Populärkultur verewigt worden, wie es den Lipizzanern zu Teil wurde, zum Beispiel im Walt Disney-Film Miracle of the White Stallions (1963) über die Rettung der Lipizzaner durch amerikanische Streitkräfte am Ende des Zweiten Weltkrieges, oder in der Fernsehserie The White Horses (1965), die auf einem Lipizzaner-Gestüt spielt.

 

Anders als der Lipizzaner, kann der Shagya auch nicht vom ´Boom` der ´Barockpferderassen` profitieren - obwohl also der kräftige, hochaufgesetzte Typ, besonders der "Shagya"-Linie, hier von Erscheinungsbild und Eignung her hier durchaus hineinpassen kann. Genauso wie der ´orientalische` Shagya-Typ gut mit dem Vollblutaraber in dessen ureigener Disziplin Distanzreiten konkurrieren kann. Oder der ´sportliche` Typ Warmblüter in Springprüfungen der schweren Klasse zu schlagen vermag. Aber wenn man ´echte` Araber, ´echte` Barockpferde und ´echte` Sportpferde hat - da ist es leicht, den Shagya nur als eine Art ´Ersatz` zu sehen.

 

Leider scheint auch die ´Werbung` seiner Zuchtverbände oft in diese Richtung zu tendieren, mit defensiver anstatt offensiver Argumentation der Art ´ja, also springen können sie auch...`

 

Kurz gesagt, das Besondere am Shagya ist etwas ganz Eigenes, und etwas, von dem das breite Publikum nie gehört hat - seine unerhörte Gebrauchsqualität. Und diese tritt leider nur unter sowohl anspruchsvollen als auch fähigen Reitern wirklich hervor...

 

Noch ein Grund mehr, mehr Exemplare dieser seltenen Gattung auszubilden - und die entsprechenden Reiter dafür...

 

Klassische Reitkunst: Shagya-Araber Ideal für die Klassische Reitkunst: Shagya-Araber - orientalisch geprägte Schönheiten mit der Rittigkeit europäischer Reitpferde und der Robustheit des Kavalleripferdes. © 2009 NESSA Equestrian Design

 

Mehr über die "Brillianten unter den Pferden" erfahren Sie auch in diesem Artikel auf pferde.de:

http://www.pferde.de/shagyas-die-vergessenen-leistungspferde.html